Winter-Portulak

Winter-Portulak

Ich lebe im nordwestlichen Ostwestfalen, nahe des Nordpunkts von Nordrhein-Westfalen und bin als Stemweder Kräuterfrau Dr. Inge Uetrecht inzwischen gut bekannt. Auch mich treibt die Sehnsucht nach leckerem frischem Grün aus dem Garten um. Das geht nun schon etliche Jahre so weit, dass ich selbst die großen Brennnesseln, die sich ganz schön breit machen, nicht weghacken mag! Schon gar nicht Löwenzahn und Schaumkraut, die muss ich wegessen! Mit dem folgenden Beitrag werde ich die wunderbare Arbeit von Monika Wurft weiterführen.

Bitte beachten: Verwechslungen sind immer möglich. Bitte genau hinsehen, weil jede Sammlerin, jeder Sammler auf eigene Gefahr handelt!

Heute habe ich den Winter-Portulak oder Postelein ausgewählt. Mindestens vier Jahre habe ich gebraucht, bis er nun endlich ganz selbsttätig auf einem Gemüsebeet und in der Obstwiese wächst. Freunde hatten ihn schon lange und mir verschiedentlich einige Pflänzchen geschenkt. In vielen Gärten, im Schulgarten und auf öffentlichen Flächen wächst er sehr verbreitet. Jetzt klappt es endlich nach dem Motto „Ernten ohne zu säen“, wie es Monika Wurft formuliert hat. Im Februar dieses Jahres schickte mir Sabine Denker dieses Foto mit der Frage, was es nur für ein Kraut sein mag, dass sich in den Gartenbeeten breit macht.

Der Winter-Portulak wird auch als Kubaspinat bezeichnet. Die Heimat dieses Salats sind die küstennahen Regionen des südlichen Nordamerikas, von wo dieser leckere, milde Salat eingeführt wurde. Der botanische Name lautet Claytonia perfoliata und gehört zu den hierzulande weitgehend unbekannten Quellkrautgewächsen bzw. zu den Tellerkräutern. Die Blätter sind glatt, etwas fettglänzend und sehr saftig mit leicht säuerlichem Geschmack. Die Pflanze wächst als Rosette, wobei jedes Blatt einen relativ langen Stiel hat. Die Pflanzen werden höchstens 20 cm hoch.

Normalerweise blüht der Winter-Portulak im April, dieses Jahr haben sich die ersten Blüten schon Mitte März gezeigt. Die Blüte wächst in der Mitte eines fast runden Blattes mit zwei Spitzen. Die Blüte wird uns quasi auf einem grünen Tellerchen serviert, so beschreibe ich es gern. Diese Blütenblättchen sind genauso lecker wie alle anderen Blätter. Für die Dekoration von Kartoffelsalat, Suppen, Dips und vielerlei Häppchen sind die Blüten besonders hübsch. Dem grünen Smoothie verleiht das Tellerkraut einen milden „grünen“ Geschmack. Wem der Salat mit Löwenzahn und Schaumkraut zu kräftig schmeckt, mildert ihn mit ein paar Handvoll Winterportulak ab.

Löwenzahn Kartoffelsalat
Löwenzahn Kartoffelsalat

Die Blüten vom Tellerkraut, so wird der Winter-Portulak auch heißt, wurden auf dem oberen Bild zum Kartoffel-Löwenzahn-Salat zusammen mit Gänseblümchen dekoriert. Einfach zum Anbeissen!

Der Postelein kann den ganzen Winter über geerntet werden. Solange junge Blättchen weiterwachsen dürfen, schiebt die Pflanze neue Blätter. Dieser Salat enthält weniger Nitrat als andere Wintersalate und dazu ist er reich an Vitamin C, Kalium, Calcium und Eisen. Nach der Blüte bildet das Kraut Samen und verschwindet dann bis zum nächsten Winter aus unserem Blickfeld auf ein Wiedersehen im nächsten Winter. Wer das unbegrenzte Aussamen verhindern möchte, sollte die Pflanzen direkt nach der Blüte komplett entfernen!

Bärlauch

Bärlauch ist ein lecker scharfes Wildkraut, dessen Geruch und Geschmack an Knoblauch erinnert. Monika Wurft beschreibt den Bärlauch in ihrer „Kräuterführung online“ sehr ausführlich mit einem leckeren Rezept. In den Stemweder Bergen gibt es Buchen-Laubwald, aber leider keinen Bärlauch. Hier ist der Boden zu trocken und nicht so lehmig wie am Wiehengebirge, wo der Bärlauch verbreitet besonders am Nordhang wächst. Das Wiehengebirge gilt als nordwestliche Verbreitungsgrenze des Bärlauchs in Deutschland.

In Lübbecke hinter dem Krankenhaus wächst der Bärlauch üppig. Das Naturschutzgebiet „Sonnenwinkel“ darf nicht beerntet werden. Schilder weisen großzügig auf das Naturschutzgebiet hin. Weiter oben und westlich davon darf geerntet werden. Der Bärlauch ist als Pflanze nicht geschützt.

Wichtig ist das achtsame Pflücken des Bärlauchs. Maiglöckchen und Aronstab sind giftige Pflanzen, die oft mit dem Bärlauch in Gemeinschaft vorkommen. Maiglöckchen habe ich dort noch nie gesehen, wohl aber reichlich Aronstab. Während die Blattnerven beim Bärlauch, wie bei anderen Zwiebelgewächsen parallel verlaufen, hat der Aronstab ähnlich grüne Blätter, die aber netzförmige Blattnerven haben. Zusätzlich hat das ausgewachsene Blatt vom Aronstab nach hinten zeigende Spitzen ähnlich wie beim Sauerampfer. Daher ist es so wichtig, jedes Blatt einzeln zu pflücken. Früher habe ich tatsächlich flächenmäßig geschnittene Bereiche gesehen. Das ist verboten und schadet den Pflanzen und manchmal auch uns Menschen, wenn giftige Blätter dazwischen wären. Am Geruch ist der Bärlauch sofort zu erkennen, aber nach zehn gepflückten Blättern riecht ohnehin alles nur noch nach Bärlauch.